V-60 Zubereitung

V-60 Zubereitung

Warum unterscheiden sich V60-Rezepte so stark?

Wer nach einem V60-Rezept sucht, findet schnell ganz unterschiedliche Angaben. Wassermenge, Verhältnis, Mahlgrad, Temperatur oder Aufgussmengen unterscheiden sich oft deutlich.

Das ist zunächst nichts Besonderes. Ein Rezept soll einen konkreten Weg zu einer guten Tasse Kaffee beschreiben.

Interessant ist aber oft auch das Prinzip dahinter.

Hinter guten Rezepten steckt eine bestimmte Idee, wie Kaffee extrahiert werden kann. Die einzelnen Parameter sind dann auf diese Idee abgestimmt. Zwei Rezepte können sich deutlich unterscheiden und trotzdem schlüssig sein.

Drei bekannte Beispiele:

Geschmack gestalten

Hier steht die Frage im Mittelpunkt, ob sich Süße, Säure und Intensität durch die Verteilung der Aufgüsse beeinflussen lassen.
(4:6-Methode von Tetsu Kasuya)

Gleichmäßigkeit erreichen

Hier steht die Überlegung im Mittelpunkt, dass möglichst alle Kaffeepartikel unter ähnlichen Bedingungen extrahiert werden sollen. Deshalb wird das Kaffeebett nach dem Aufgießen bewusst nivelliert. Ein Swirl gehört dabei nicht zum Rezept, weil er spektakulär aussieht, sondern weil er trockene Bereiche reduziert und das Wasser gleichmäßiger durch den Kaffee fließen lässt.
(James Hoffmann)

Den Brühvorgang beruhigen

Neuere Ansätze setzen nach einer intensiven Vorbenetzung (Double Bloom) auf möglichst wenig weitere Bewegung. Dahinter steht die Überlegung, den Wasserfluss während der Extraktion möglichst gleichmäßig zu halten.
(Lance Hedrick)

Am Ende führt eben doch nicht nur ein Weg nach Rom. Und manchmal ist nicht einmal Rom das Ziel. Ein Rezept hilft beim Einstieg und die Idee dahinter eröffnet Möglichkeiten die Zubereitung besser zu verstehen und den Kaffee bewusst zu variieren.

Detlef – Dr. Kaffees Röstorium
26. Juli 2026