Projekte

Bio und Fair – auch ohne Brief und Siegel?

„Siegel sind etwas Feines. Etwas Bequemes. Sie entbinden uns vom Denken.“

Zitat aus dem Buch „Fairarscht“ von Sina Trinkwalder

Dieser Satz soll sicher provozieren und ich möchte ihm auch nicht zustimmen. Tatsächlich wird es uns jedoch immer schwieriger gemacht, die weltumspannenden Verwicklungen des globalisierten Handels zu durchblicken. Alleine um die wichtigsten Fakten für diesen kleinen Absatz zu recherchieren habe ich zig Stunden im Internet verbracht, zwei Bücher gelesen und unzählige Gespräche geführt. Es ist also nicht so, dass der Verbraucher beziehungsweise der Kunde nicht über Preisgestaltung, Wertschätzung, Fairness, Ökologie und Ökonomie nachdenken möchte. Es bleibt aber faktisch nicht immer die Zeit, um sich überall ein umfassendes Bild machen zu können.

Deshalb kurz meine Ergebnisse und Schlussfolgerungen: Fairer Handel braucht nicht zwingend ein bestimmtes Siegel um „fair“ zu sein. Ganz im Gegenteil kann sich eine Zertifizierung sogar nachteilig für den Produzenten auswirken. Die Studie „Profits and poverty: Certification’s troubled link for Nicaragua’s organic and fairtrade coffee producers“ kommt zu einem verblüffenden Ergebnis: „Es zeigte sich bei der Beobachtung hunderter nicaraguanischer Kaffee Bauern über einen Zeitraum von 10 Jahren, dass mehr ,organic‘ und ,organic – fairtrade‘ Bauern im Vergleich zu konventionellen Bauern unter die Armutsgrenze gerutscht sind.“ Die Autoren ziehen daraus den Schluss, dass es sinnvoller ist, sich weniger auf Zertifizierungsprozesse zu fokussieren, sondern mehr in die Farmen zu investieren – materiell sowie ideell.

Grund genug für uns, echte Projektkaffees anzubieten. Hier ist die gelebte Transparenz von fairen Handelsbeziehungen eine viel bessere Orientierungshilfe als Zertifikat oder Siegel es jemals sein können.

Quellen: „Aus kontrolliertem Raubbau“ von Kathrin Hartmann; „Fairarscht“ von Sina Trinkwalder; „Profits and poverty: Certification’s troubled link for Nicaragua’s organic and fairtrade coffee producers“ von Tina D. Beuchelt und Manfred Zeller (Universität Hohenheim); Wikipedia; Video: „Combat Global Poverty with a Cup of Coffee“ von Professor Colleen Haigh; arte-tv „der faire Handel auf dem Prüfstand“

Guatemala – Lampocoy

Dethlev Cordts: „In enger Zusammenarbeit mit den Kaffeebauern verbessern wir die Qualität unseres biologisch-organisch angebauten Gourmet-Kaffees von Jahr zu Jahr. Aus den Einnahmen und zusätzlichen Spenden helfen wir Schulen und Gesundheitsstationen. Außerdem finanzieren wir den Ausbau der Infrastruktur. So bieten wir den Menschen von Lampocoy eine langfristige Perspektive. Damit für die Kaffeebauern ein möglichst hoher Gewinn herauskommt und das Dorf insgesamt profitiert, haben wir alle Zwischenhändler ausgeschlossen. Wir kaufen den Kaffee über die Kleinbauern-Kooperative direkt im Dorf, lassen ihn über einen Dienstleister exportieren, kontrollieren die Qualität und die Anbaumethoden und zahlen einen Preis, der mindestens 15% (Stand 2015: 40%) über Weltmarktniveau liegt.“

Lampocoy – GPS-Daten: Nord 14.56.33,3 – West 89.20.21,5

www.cafecita.eu

Peru – Tunki

Im Jahr 1970 schloss sich in der Region Puno eine Gruppe von Farmerinnen und Farmern mit dem Ziel zusammen, Kaffee zum gerechten Preis zu verkaufen. Die Kaffeekooperative Central de Cooperativas Agrarias Cafetaleras (CECOVASA), der Tunki angehört, war gegründet. Die Produzenten von Tunki Biokaffee sind kleine Farmerfamilien. Sie gehören den Indianer-Völkern Quechua und Aymara an, den Vorfahren der Inka. Im „Land des Überflusses“, wie Peru auf Quechua heißt, wächst Tunki traditionell und nachhaltig auf kleinen Terrassenplantagen in südlichen peruanischen Andenhängen, nördlich vom Titicacasee am Eingang des Tambopata National Reserve. Dieser Nationalpark ist bekannt für seine weltweit einmalige Artenvielfalt, darunter auch der Andenklippenvogel, Felsenhahn oder „Tunki“, der den Biokaffee symbolisiert.

Tunki Logo

Dank Rainforest Alliance entfalten sich die Kaffeekirschen bei reduzierter direkter Sonneneinstrahlung wieder unter Schattenbäumen, sogenannte Agroforst-Systeme. Die handgelesene Ernte wird mit natürlichem Quellenwasser gewaschen und durch die Sonne getrocknet. Seit dem Jahr 1993 ist CECOVASA fairtrade-zertifiziert. Unabhängig vom Weltmarkt umfasst der Kaffeepreis im direkten Handel einen Aufschlag für Einkommen der Kleinfarmer und die Sicherung nachhaltiger Landwirtschaft. Bildung von Kindern, Fortbildung der Kleinfarmer zu den Themen Qualität und Logistik sowie Investitionen in Produktionseinrichtungen und Infrastruktur wurden durch zusätzliche Einnahmen möglich. Eine sozialgerechte und insgesamt zukunftsfähige Entwicklung der Farmer sowie die Erhaltung bzw. Verbesserung der ökologischen Kaffeequalität werden damit garantiert.

www.kaffee-sid.com